Gutes getan - Nazis gestoppt!
1. Mai 2007
1200 Neonazis kamen zum 1. Mai 2007 nach Erfurt, um ihre menschenverachtenden Positionen unter dem Motto „Arbeit für Millionen statt Profite für Millionäre“ zu verbreiten. Das Bündnis AKE hatte es sich zum Ziel gesetzt, dies zu verhindern ( www.gutestun-nazis-stoppen.tk ) - so auch der OJA Erfurt. Also stand für uns wieder ein Großprojekt an, diesmal mitten in der Tarifrunde.
Am Montag (30.4.) ging es morgens schon los mit Einkaufen, Sachen holen, filler vorbereiten… Nachmittags waren wir bei der Spontankundgebung gegen die NPD auf dem Fischmarkt. Abends saßen wir im filler zur Lagebesprechung.
Am nächsten Morgen wurde noch viel organisiert: Transparent aufhängen, Frühstück für uns und die Gäste, Technik aufbauen und verladen. Um halb zehn waren wir an der Staatskanzlei und liefen mit der DGB-Demo durch die Stadt. Beim Rückweg ins filler gab es erst Ärger mit der Polizei, aber schließlich wurden wir doch zu unserem angemeldeten Grillfest durchgelassen.
Dort gab es dann die Idee, den Nazis auf der Schillerstraße den Weg zu versperren. Eine Menschenmenge lief auf die Straße und setzte sich hin. Die Polizei versuchte uns durch Verhandlungen und Räumungsandrohung von der Straße zu bekommen, aber wir blieben dort. Schaulustige sammelten sich drumherum und setzten sich auf unsere Aufforderung hin nach und nach dazu. Später siedelten wir die Blockade auf die Straßenkreuzung Schillerstraße/ Arnstädter Straße um. Die Nazis blieben am Bahnhof, kamen nicht los und wurden schließlich von der Polizei nach Hause geschickt, als sie es mit Gewalt versuchten. So trommelten wir schließlich die Leute, die auf der Straßenkreuzung versammelt waren, zusammen und machten noch eine Spontandemonstration bis zum alten Angerbrunnen.
Im filler sammelten sich nach und nach unsere Gäste wieder. Da der Bahnhof rechtzeitig frei war, schafften es alle abends noch nach Hause und mussten nicht noch eine zweite Nacht untergebracht werden. Den Ausklang bildete das Konzert „Nazis von der Straße fegen“ auf dem Anger (unterstützt durch Spenden von SPG, Thales und der Delegiertenversammlung der IGM Erfurt). Dort konnten wir die Erfahrungen des Tages austauschen und „das Wunder von Erfurt“ zusammen feiern.
Statements aus der IG Metall Jugend:
Andre: Von Montag auf Dienstag hab ich im filler Nachtwache gehalten mit mein Hund Joy. War zwar anstrengend, aber ich hatte das Gefühl, etwas Gutes zu tun.
Claudia: Ich hätte nicht geglaubt, dass ich mich trauen würde, mich an diesem Tag auf die Straße zu setzen, um den Nazis den Weg zu versperren. Eine wichtige Erfahrung für mich.
Thomas: Da war aber zwei Tage lang was los im filler! Das Telefon lief heiß. Ich bin selber beeindruckt, wie gut und wie selbständig wir alles Nötige organisiert haben.
Florian: Besonders witzig fand ich ja den antikapitalistischen Block in der DGB-Demo morgens. Der hat ein paar andere Akzente gesetzt und uns für die späteren Aktionen eingestimmt und auch ermutigt.
Lars: Unser Grillfest hat ja ganz schön Zulauf gefunden und wir hatten alle Hände voll zu tun. Alle Würste gingen weg, das Geld haben wir wieder rein. Gut, dass wir auch Tofuwürstchen dabei hatten.
Michael: Am ver.di-Haus haben wir das große rote Transparent aufgehängt: „2. Mai 1933 - kein Vergeben, kein Vergessen!“ Das zeigt, dass Nazis auch Gewerkschaftsfeinde sind, die wir echt bekämpfen müssen.
Anja: Als wir nur mal eben um die Ecke schauen wollten, war plötzlich eine Polizeikette hinter uns und wollte uns nicht mehr ins filler zurücklassen. Zum Glück war Sandro da und hat denen ordentlich die Meinung gesagt. Dann war es plötzlich doch kein Problem mehr.
Sören: Das war meine erste Sitzblockade. Als wir anfangs nur so 30 Leute waren, hatte ich mich schon drauf eingestellt, dass wir weggetragen werden. Aber dann wurde sie größer und größer, ein echt gutes Erlebnis.
Martin: Als wir hörten, dass die Nazis wieder abziehen, haben wir richtig gefeiert. Bei unserer Spontandemo sind dann viele tanzend durch die Innenstadt gezogen. Die Stimmung war echt klasse.
Peter: Das mit dem Konzert abends auf dem Anger war eine gute Idee, um den Tag ausklingen zu lassen. Schön, dass aus den Reihen der IG Metall so viel Geld zusammenkam, dass wir es auch realisieren konnten.
Daniel: Letztes Jahr in Leipzig ist es uns ja auch gelungen, die Nazis zu stoppen. Aber es ist schon was anderes, sowas in Erfurt hinzukriegen, wo wir uns besser auskennen.
Tom: Wir haben die Nazis gestoppt und ich war mit dabei. Der Tag hat sich gelohnt, auch wenn sich die meisten einen Sonnenbrand geholt haben.
Eric: Ich war leider krank und konnte die ganze Aktion nicht mitmachen, obwohl ich mich sehr drauf gefreut hatte. Habe aber alles mit Interesse verfolgt und fühle mich auch beteiligt an unserem Erfolg.
Tobias: Ich war da, um die Nazis zu stoppen. Das ist gelungen, und ich finde es gut, dass die Gewerkschaften sich da so engagieren.
Petra: Ich durfte mit im Lautsprecherwagen fahren und zuschauen, wie die Leute draußen auf unsere Musik abgehen. Wie geil.
Ben: Schön, dass wir bei Euch sein konnten und immer jemand ansprechbar war. Ob es ums Sachen Wegschließen ging, um eine Wegbeschreibung oder nur um ein Pflaster. Und vielen Dank für das nette Frühstück!