OJA Erfurt goes Kultur: „Die Tage der Commune“
Bertolt-Brecht-Wochenende 08.-10.12.06
Mitten in der Vorweihnachtszeit waren wir mit einem richtigen Großprojekt beschäftigt. Die Theatergruppe Roter Pfeffer kam für ein Wochenende aus Bremen hierher, um das Stück „Die Tage der Commune“ von Bertolt Brecht aufzuführen. Einige von uns hatten ganz schön zu tun: Werbung und Kartenvorverkauf, die Bühne aufbauen, Schlafplätze zur Verfügung stellen, selbstgebackenen Kuchen zur Generalprobe bringen…
Wir verbrachten das Wochenende im „filler“ und beschäftigten uns mit Bertolt Brecht. Eigentlich ein Sohn wohlhabender Leute, verließ er seine Klasse und gesellte sich zu den geringen Leuten. Mit seinen Gedichten, Liedern und Theaterstücken wollte er Lust auf Veränderung wecken. In „Die Tage der Commune“ zeigt er ein Modell einer kommunistischen Gesellschaft.
Freitag Nacht um halb eins war es so weit: Der Bus aus Bremen kam an, 30 junge Leute zwischen 14 und 28 Jahren wurden uns vorgestellt und auf ihre GastgeberInnen verteilt, bei denen sie bis Sonntag wohnten. Den Samstag nutzten wir, um uns inhaltlich auf die Aufführung vorzubereiten und dabei auch die Lieder einzuüben, die abends auf der Bühne gesungen wurden. Dann der große Moment: Die jungen Leute, die wir jetzt persönlich kennengelernt hatten, auf der Bühne zu sehen und mitzuerleben, wie die KommunardInnen von Paris sich ihre eigenen Gesetze geben!
„In Erwägung, dass ihr uns dann eben
mit Gewehren und Kanonen droht,
haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
mehr zu fürchten als den Tod.“
Anschließend nutzten viele von uns noch die Gelegenheit, die Nacht lang mit den Jugendlichen aus Bremen zu diskutieren, sie auszufragen und mit ihnen neue Ideen zu spinnen. In der gemeinsamen Auswertung zeigte sich, dass das Wochenende für uns alle ein unvergessliches Erlebnis war. Alle waren auf ihre jeweils eigene Art und Weise bewegt, haben neue Energie und Ideen geschöpft, neue Beziehungen aufgebaut und wünschen sich noch mehr Gelegenheit, Gewerkschaftsarbeit mit Kultur zu verbinden.
Fotos Aufführung:
Statements:
Stefan Klopsch - Durch den persönlichen Kontakt mit meinen beiden Gästen habe ich das Ganze viel intensiver miterlebt. Dass das so ganz normale Jugendliche sind wie wir! Und ich würde meine neuen Freunde gern einmal wiedersehen.
Lars Fabian - Besonders interessant fand ich den Lebenslauf von Brecht, wie er z.B. im Exil war und unter schwierigen Umständen immer seinen Idealen treu geblieben ist.
Silke Mey - Im Vorfeld haben wir die Lieder zusammen geübt. Als dann die SchauspielerInnen auf der Bühne gesungen und diese Musik so ausdrucksvoll inszeniert haben, da hab ich richtig Gänsehaut gekriegt.
Thomas Axthelm - Das Wochenende hat mir neue Energie und Motivation gebracht. Brechts Absicht war es ja auch, Lust auf Veränderung zu wecken.
Andre Engelbrecht - Ich habe mich so sehr in das Projekt eingebracht, dass ich in den letzten Tagen kaum zum Schlafen gekommen bin. An dem Wochenende habe ich so viele Eindrücke und neue Beziehungen mitgenommen, dass ich bestimmt noch lange darüber reden und nachdenken werde.
Claudia Morning-Knibbiche - Zur Generalprobe habe ich selbsgebackene Muffins gebracht und dabei die Atmosphäre dort mitbekommen. Beeindruckend, wie solidarisch und liebevoll diese Gruppe zusammenarbeitet!
Jens Wernicke - Ich habe großen Respekt vor diesen Jugendlichen, die Brechts Gesellschaftskritik mit aktuellen Bezügen verbinden und erfolgreich unter die Leute bringen.
David Salomon - Von allen Brecht-Inszenierungen, die ich kenne, war für mich noch keine so bewegend wie diese. Obwohl es sich eigentlich um eine Laiengruppe handelt. Aber Brecht haben sie verstanden, so viel ist sicher.
Sabrina Knopf - Seit wir im OJA die „Resolution der Kommunarden“ gesungen haben, ist mir das Lied richtig zum Ohrwurm geworden.
Sören Seidel - Von der Energie und Kreativität, die diese Leute mitbringen, sollten wir uns ein Stück abschneiden. Und wirklich an die Veränderbarkeit der Welt glauben, angefangen bei der bevorstehenden Tarifrunde.
Martin Ullrich - Ich bin froh, dass mir das Wochenende nicht entgangen ist und ich auch zum Gelingen beitragen konnte. Vorher konnte ich nicht allzuviel von und über Brecht wiedergeben. Dies hat sich nun auf interessante Weise geändert.
Petra Neitzel - Ich fand das Theaterstück fantastisch. Zunächst konnte ich mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen, zumal es wenig Kulissen gab. Aber durch die großartige Leistung der Schauspieler waren diese gar nicht von Nöten.
Daniel Riedel - Das war echt ein geniales Theater, welches mit Leidenschaft aufgeführt wurde und diese an die Zuschauer übertragen hat. Einerseits erhiehlt man Nachhol-Unterricht in Geschichte und andererseits Lust auf Revolution. Bin begeistert!!























