Ausbildungspakt? Das geht besser!
Jugendaktion am 17.10.2006 auf dem Anger in Erfurt
Über 50 Jugendliche kamen am Dienstag, dem 17.10.06, zur Luftballon-Aktion auf dem Anger zusammen. Anlass war die katastrophale Situation am Ausbildungsstellenmarkt in Thüringen: Trotz Ausbildungspakt kommen dieses Jahr auf über 30.000 Bewerber(innen) nur knapp 16.000 betriebliche Ausbildungsplätze. Um diese große Zahl zu veranschaulichen, hatten die Jugendlichen 400 weiße Luftballons dabei. Jeder von ihnen steht für ca. 35 junge Leute, die in diesem Herbst nicht versorgt werden konnten.
In fünf Redebeiträgen wiesen Erfurter OJA-Mitglieder auf die Konsequenzen dieser Situation hin: Lars Fabian thematisierte die Abwanderung junger Leute aus Thüringen – allein in diesem Jahr seien es ca. 1.700, die sich gezwungen sehen, ihr Glück woanders zu suchen. Die Behauptung, die Bewerber(innen) seien nicht ausbildungsreif, kritisierte Daniel Riedel als „faule Ausrede“. Andre Engelbrecht enttarnte die Versuche, dennoch positive Bilanzen zu ziehen: Über ein Drittel der 30.000 Bewerber(innen) werden in Warteschleifen zwischengeparkt oder verschwinden anderweitig aus der Statistik. „In diesem Jahr haben wir 231 betriebliche Ausbildungsplätze weniger als im letzten Jahr!“ monierte Eric Pabst und erklärte das Scheitern des Ausbildungspakts. Claudia Morning-Knibbiche kritisierte die mangelnde Ausbildungsqualität in außerbetrieblichen Ausbildungsträgern und forderte eine gesetzliche Lösung. „Was wir brauchen, ist eine Umlagefinanzierung. Von Lippenbekenntnissen haben wir genug!“ Auch Tobias Klee aus dem OJA Eisenach hielt einen Redebeitrag, in dem er berichtete, wie wichtig gleichzeitig die Qualität der Berufsausbildung ist und was die JAV bei ihnen im Betrieb in dieser Hinsicht schon alles erreicht hat.
Es sprachen auch Dorothee Wolf, Daniel Müller-Parkan (IGM Bezirksleitung) und Sven Schulz (ver.di Jugend Mittelthüringen).
Zum Abschluss der Aktion wurden die 400 Luftballons losgelassen und stiegen in den Himmel auf. Als Mahnung an die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft, die Zukunft Thüringens nicht in die Luft gehen zu lassen.